Stomachik I

Da einige der Ingredienzien, die für "Aquavit" besorgt wurden, auch in "Stomachik I" gehören, bietet es sich an, im Anschluss daran dieses Mittel herzustellen.

Es folgen die handschriftlichen Angaben von Isa von Bernus:

"Auf 650 Destillat, 350 Alchohol. Man destilliert den Rückstand wie üblich. Es kommt kein metallischer Zusatz, nur Kräuter.

Drogen auf 1 Liter:

Cortex Aurantii: (getrocknete Orangenschalen) = 10gr.

Fructus Juniperi (Wacholderbeeren) = 8 gr.

Radix Angelicae (Engelwurz) = 5 gr.

Calmus = 5 gr. (Rhizoma Calami)

Radix Gentianeae(Enzian) = 5gr.

Cortex Chinae (Chinarinde) = 4 gr.

Artemisia absinthium (Wermut) = 5gr.

Rhizoma Galangae (Galgant) = 2 gr.

Menta pip. (Pfefferminz) = 5 gr.

Salvia (Salbei) = 5gr.

Herba Centaurii (Tausendgüldenkraut) = 5 gr.

Radix Imperatoriae (Meisterwurz) = 5 gr.

Alles gut durchschütteln.

Auf den Wärmeofen stellen.

Täglich gut durchschütteln.

Nach 5-6 Tagen fertig (bis sich die Drogen gesetzt haben)

Dann wegstellen, kalt werden lassen, Hierauf vorsichtig abschütteln und das Abgeschüttete filtrieren. Der Rückstand wird für das neue Destillat benützt."

Hepatik (Nr. 8)

Originalhandschriftliches Rezept von Isa von Bernus

"Man nimmt das Destillat aus dem Rückstand.

Das Destillat in eine 5 Ltr. Flasche gießen.

Dahinein tun:

Zincum aceticum (essigsaures Zink) bei Merk erhältlich- Pro Liter = 2gr. = 1 Eierlöffel

Es löst sich vollständig. Schütteln.

Alcoholverhältnis: 30%, also auf 1 Liter= 300ccm Alcohol

Drogen: Pro Liter:

Agrimonium (Odermennig) = 5gr.

Anagallis arvense(Ackergauchheil)= 5gr.

Chelidonium radix et herba: (Schöllkraut) 10gr.

Mai bis August frisch aus dem Garten mit Wurzel sehr tief stechen, geht schwer heraus. Sonntags am besten. Gut zerkleinern. Zum Ausziehen möglichst ein paar Stunden an Sonne stellen. Und darauf dann erst Alcohol Lösung

Cichorium intybus (Wegwarte) = 4 gr.

Hepatica (Leberblümchen) = 5gr.

Quassia = wichtig= 4gr.

Scolopendrium (Hirschzunge)= 5gr.

Taraxarum (Löwenzahn) (die Wurzel) = 10gr.

Aloe capensis gepulvert = 2gr.

In der Standflasche ansetzen, gut schütteln und zum Ausziehen auf den Wärmeofen stellen (oder Sonne) täglich einmal gut durchschütteln und 4-5 Tage in der Wärme stehen lassen, bis sich die Drogen gesetzt haben. Dann wegstellen und kalt werden lassen. Hierauf vorsichtig abschütten und das Abgeschüttete filtrieren. Der Rückstand wird für das neue Destillat benötigt und so fortlaufend.

Bei der getippten Variante aus einem Ringbuch kommen noch (auf die Menge von 1 Liter) :

Gelbsuchttee 6 gr.

Leber und Galletee 6 gr

Sowie Semen Strychni 1 gr hinzu.

Vorgehensweise

Probleme bei der Beschaffung der Ingredienzien:

Zincum aceticum wird inzwischen vom Großhandel und auch von den Apotheken nur noch an bestimmte Berufsgruppen, z. B. Schädlingsbekämpfer abgegeben. Aus dem Internet ist es beziehbar und auch von Chemielehrern an Schulen kann man es bekommen. Man kann es auch selbst herstellen.

Herba anagalidis (Ackergauchheil) wird im Großhandel nicht geführt. Man kann die Pflanze aber selbst sammeln.

Radix chelidonii (Schöllkrautwurzel) wird im Großhandel ebenfalls nicht angeboten (giftig).

Schöllkraut wächst in vielen Gärten wild.

Semen Strychni ist nicht über den Großhandel zu beziehen. Am besten wendet man sich an ein Labor für homöopathische Heilmittel, denn Semen Strychni (Brechnuss) wird in der Homöopathie häufig verwendet. Man benötigt lediglich eine sehr kleine Menge (pro Liter 1 gr.)

Leber- und Gallentee sowie Gelbsuchttee sind auch nicht mehr über den Großhandel erhältlich. Es gibt recht viele Rezepturen für Leber- und Gallentee, wir haben eines ausgesucht, in dem Pflanzen enthalten sind, die in der Hepatik-Zusammensetzung nicht vorkommen:

Leber-Gallentee

1 Teil Cortex frangulae (Faulbaumrinde)

5 Teile Radix Ononidis (Hauhechelwurzel)

5 Teile Radix gentianae (Enzianwurzel)

10 Teile Folia Menthae piperitae (Pfefferminzblätter)

Gelbsuchttee:

2 Teile Marrubium vulgare (Andorn)

3 Teile Galium odoratum (Waldmeister)

1 Teil Artemisia absinthium (Wermut)

Taraxarum (Löwenzahn) gräbt man für ein Lebermittel am besten im Frühjahr aus

Zubereitung

1. Schritt:

Über die Apotheke hochprozentigen Alkohol (85 %) sowie die Pflanzen, die man nicht selbst sammeln kann, besorgen.

Zunächst nimmt man ein verschließbares Glas, (Einmachglas), gibt 10 gr. Radix et herba chelidonii (Schöllkrautkraut und -wurzel) hinein, gießt halb Wasser und halb Alkohol drüber, so dass die Pflanzenmenge bedeckt ist, verschließt das Glas und stellt es einige Stunden in die Sonne.

Dann füllt man ein großes Einmachglas mit 1 Ltr. Quellwasser. In dieses Quellwasser gibt man 1 gr. Zincum aceticum. Man schüttelt das Wasser mit dem essigsauren Zink, bis es aufgelöst ist. Dann gibt man 300 ccm Alkohol (85%) hinzu.

Ist das Schöllkraut einige Stunden in der Sonne ausgezogen, filtert man es ab und gibt die Pflanzenteile zu dem übrigen (Quellwasser, Alkohol und zincum aceticum) dazu. Danach die oben angegebenen Kräuter zugeben. Wie gesagt, in der handschriftlichen Variante fehlen Herba taraxari sowie Semen strychni und der Leber- u. Gallentee und der Gelbsuchttee.

Die Mischung wird vorsichtig geschüttelt und mit Holzlöffel oder Glasstab gerührt und dann in die Wärme gebracht. Hier bietet sich ein Einkochkessel an, der mit Wasser gefüllt wird, und den man bei konstanter Temperatur, auf 37-40 (je nachdem, ob man Körpertemperatur nehmen möchte, oder wie Paracelsus, Fiebertemperatur) einstellen kann.

2. Schritt:

Nachdem die Pflanzen ausgezogen sind und sich "gesetzt" haben, wie Isa von Bernus schreibt, wird gefiltert. Bernus nahm ein Mulltuch dazu. Beim ersten Ansatz wird das Gefilterte weggeschüttet. Den Pflanzenrückstand, die abgefilterten Pflanzenreste, gibt man in einen Kolben, gibt die Menge an Quellwasser hinzu, die man möchte, wir haben 1 l genommen und setzt den Kolben in eine Heizhaube, gibt den Helm darauf, an den man einen Auffangkolben anschließt und destilliert diesen Rückstand ab. Isa gibt als Dauer etwa 12 Stunden an, wenn man die Destillation auf niedriger Heizstufe ablaufen lässt, auf Stufe 1, dauert es sehr viel länger.

3. Schritt:

Das Destillat, das man so aus dem Rückstand gewonnen hat, wird wieder in ein verschließbares Glas geschüttet, Isa von Bernus spricht immer von einem "Standglas". Und dahinein gibt man wieder die für Hepatik zusammengestellten Ingredienzien, wie unter Schritt 1) aufgeführt. Dann wird diese Mischung wieder in die Wärme gestellt, wie unter Schritt 2) dargestellt und schließlich nach 4-7 Tagen abgefiltert. Nun kann man die Tinktur in 50 oder 100 ml Fläschchen abfüllen und fertig ist HEPATIK!